Episodios

  • Der Historiker in 100 Jahren: Eine Methode zur Gegenwartsanalyse
    Apr 2 2026
    Der Historiker in 100 Jahren: Eine Methode zur Gegenwartsanalyse Der Podcast stellt eine Analysemethode vor, die den Lärm des Tagesgeschehens von langfristig relevanten Entwicklungen trennt. Ausgangspunkt ist die Perspektive eines fiktiven Historikers, der in 100 Jahren auf unsere Gegenwart zurückblickt – und die Frage, welche heutigen Entscheidungen er als folgenreich, welche als bedeutungslos bewerten würde. Dieser Filter, kombiniert mit einem Zwei-Jahres-Horizont als praktischem Mindestmaß für Relevanz, bildet das methodische Fundament der Sendung. Theoretisch stützt sich der Podcast auf Klassiker des 19. und frühen 20. Jahrhunderts – von Marx und Hayek bis Norbert Elias und Paul Virilio – anstatt auf aktuelle Sachliteratur zur Digitalisierung. Die These: Wer verstehen will, wie sich gesellschaftliche Systeme unter technologischem Druck neu ausrichten, lernt mehr aus der Industrialisierung als aus gegenwärtigen Kommentaren. Digitalisierung wird dabei nicht als Thema der Technik behandelt, sondern als Systemtransformation, deren Verlauf und Kosten aktiv mitgestaltet werden können und müssen. - Die Historiker-in-100-Jahren-Perspektive als Methode zur Unterscheidung von Signal und Rauschen - Ethische Verantwortung aus der Fähigkeit zur Antizipation: Wer Entwicklungen erkennt und schweigt, macht sich mitschuldig - Norbert Elias und die strukturelle Weigerung moderner Gesellschaften, über Zukunft nachzudenken - Energie, Information und Logistik als drei Grundparameter gesellschaftlicher Neuausrichtung - Die Notwendigkeit präziser Begriffe: Warum etablierte Kategorien wie „Einzelhandel" oder „links und rechts" für die Analyse des 21. Jahrhunderts ungeeignet sind
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    52 m
  • GS007 Digitale Wirtschaftsräume und Marktversagen
    Mar 14 2026

    In dieser Folge diskutieren Alex und Philipp, warum klassische Konzepte wie Markt, Eigentum und Geld in digitalen Wirtschaftsräumen nicht mehr funktionieren. Sie erklären, warum die VWL an nicht-rivalisierenden Gütern scheitert, wie Plattform-Monopole durch Vendor-Login entstehen – und weshalb Preisbildung bei null Grenzkosten zusammenbricht.

    Außerdem:

    Warum Eigentum historisch ein Notbehelf für mangelnde Informationsverarbeitung war

    Wie Geld als unzulässige Kompression komplexer Lieferketten scheitert

    Und was ein rekursiver Informationsfluss als neues „Betriebssystem“ der Wirtschaft leisten kann

    Ein radikaler Blick auf die nächsten 40 Jahre – und ein Weckruf: Wir brauchen neue Denkmodelle, neue Eliten und neue Governance, um die digitale Zukunft zu gestalten.

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    1 h y 9 m
  • GS006 Der De-Regulierungsmythos
    Jul 1 2025

    In dieser Episode widerlegt Alex die weit verbreitete Ansicht, dass Deregulierung die Lösung für Deutschlands digitale und wirtschaftliche Probleme sei. Er bezeichnet dies als Mythos, zusammen mit zwei weiteren: den negativen Einfluss der DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) und die Inkompatibilität des deutschen Föderalismus mit digitalem Fortschritt. Anhand historischer Beispiele zeigt er auf, wie fehlende oder falsche Regulierung zu Misserfolgen führte, während angemessene Regulierung oft wirtschaftliche Erfolge ermöglichte. Alex hebt hervor, dass moderne digitale Räume strukturierte, innovative Regulierung benötigen, um zu gedeihen.

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    37 m
  • GS005 Interoperabilität, BMWE und die Perspektive des Mittelstandes
    Jun 14 2025

    In dieser Folge von 'The Gesamtschau' diskutiert Alex die Rolle des neuen Digitalministeriums und die verbleibenden Aufgaben des Wirtschaftsministeriums in Deutschland. Er erklärt die besondere Bedeutung des deutschen Mittelstands, der das Rückgrat der Wirtschaft darstellt, und geht auf die Herausforderungen der Digitalisierung ein. Alex räumt Missverständnisse aus, dass der Mittelstand risikoscheu sei, und erläutert die strukturellen Gründe, warum Investitionen in digitale Märkte schwer fallen. Er beschreibt die Notwendigkeit von Standardisierung und Interoperabilität in digitalen Wirtschaftsräumen und betont die Rolle des Staates als Initiator und größter Kunde. Zudem kritisiert er die bisherigen Misserfolge von Initiativen wie Industrie 4.0 und GAIA-X und fordert eine ernsthafte, globale Herangehensweise an die Digitalisierung.

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    47 m
  • GS004 Der Mega Sonntag mit Philipp
    May 11 2025

    Philipp hat seinen Freund Alex besucht. Ganze drei Stunden haben sie sich an dem 21. Jahrhundert abgearbeitet. Hier ist das Ergebnis des Rundumschlags.


    Die Digitalisierung ist kein bloßes technisches Upgrade, sondern ein zivilisatorischer Bruch – vergleichbar mit der Industrialisierung oder dem Buchdruck. Sie automatisiert nicht

    Muskelkraft, sondern Denk- und Koordinationsarbeit und stellt damit die Grundlogik sämtlicher gesellschaftlicher Teilsysteme infrage. Was wir bisher erlebt haben, war lediglich Proto-Digitalisierung: Spielereien wie Social Media, Online-Shopping oder Apps, ohne dass Staat, Verwaltung oder Wirtschaft grundlegend transformiert wurden. Doch echter Wandel ist selten freiwillig. Innovation braucht fast immer einen externen Schock, weil bestehende Machtstrukturen – ob wirtschaftlich, politisch oder bürokratisch – kein Interesse an Effizienz oder Transparenz haben. Dabei ist das zentrale Konzept zur Analyse der Gegenwart Transaktionskosten: Sie erklären, warum es Staaten, Banken, Firmen oder Verwaltungen überhaupt gibt – nämlich um teure Kommunikation zu vermeiden. Wenn aber Transaktionskosten digital auf nahezu null sinken, verlieren diese Institutionen ihre Existenzberechtigung. Was bleibt, sind Hierarchiekosten – und der Wunsch, alte Privilegien zu bewahren. Auch Geografie verliert ihre ordnende Kraft. Informationen bewegen sich nicht mehr mit Pferdekutschen, sondern mit Lichtgeschwindigkeit – und damit entfallen viele Gründe für nationale Strukturen. Der Wandel ist radikal, aber missverstanden: Er führt nicht zu Megaplattformen, sondern zu struktureller Dezentralität – ohne dass es dafür Blockchain braucht. Doch genau diese Dezentralität, Effizienz und Transparenz wollen viele nicht. Denn sie bedrohen Komfortzonen, Macht, Geschäftsmodelle. Digitalisierung könnte soziale Ungleichheit abbauen, aber sie darf es nicht. Deshalb verkennen viele das Ausmaß des Wandels – und klammern sich an ökonomische und juristische Denkweisen, die aus dem 19. Jahrhundert stammen. Die entscheidende Frage ist: Wie kann man strukturiert über Zukunft nachdenken, wenn man sie nicht sehen will? Kein Wunder also, dass Alex nach 30 Jahren Informatik nicht mehr nur analysiert, sondern empört ist.

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    3 h y 6 m
  • GS003 Das Digitalministerium
    May 3 2025

    Warum wir ein Digitalministerium brauchen – und was das mit der AfD zu tun hat

    Hallo, hier ist Alex – willkommen zur Gesamtschau! In dieser Folge steigen wir tief ein in ein Thema, das auf den ersten Blick technokratisch klingt, aber in Wahrheit hochpolitisch ist: Braucht Deutschland ein Digitalministerium? Und wenn ja, wie müsste es aussehen?

    Digitalisierung ist nicht einfach ein Modernisierungsschritt – sie ist eine strukturelle Transformation von historischer Größenordnung, vergleichbar mit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert. Wie damals neue Institutionen wie Ministerien, Schulen und Sozialstaat entstanden, braucht es heute neue Strukturen für die digitale Welt. Ein Digitalministerium wäre dabei nicht einfach eine weitere Behörde, sondern der zentrale Architekt des digitalen Rechts- und Wirtschaftsraums der Zukunft.

    Doch was soll so ein Ministerium konkret tun?

    1. Interoperabilität schaffen: Damit Software und Systeme aller Branchen und Behörden reibungslos miteinander kommunizieren, braucht es standardisierte Schnittstellen – nicht nur national, sondern europa- und globalweit.

    2. Regeln für Künstliche Intelligenz festlegen: Ohne klare Haftungsregeln und einheitliche Standards wird KI in kritischen Bereichen wie Industrie, Medizin oder Verkehr nicht seriös einsetzbar sein.

    3. Einsatz moderner Kryptografie ermöglichen: Neue kryptografische Verfahren (wie Zero-Knowledge-Proofs oder homomorphe Verschlüsselung) brauchen staatliche Anerkennung, damit sie rechtswirksam verwendet werden können.

    Zentral ist dabei: Das Digitalministerium baut keine eigenen Plattformen, sondern entwickelt die Methodik, Governance und Werkzeuge, damit andere Ministerien ihre Digitalisierung richtig umsetzen können. Dafür braucht es Richtlinienkompetenz – idealerweise im Bundeskanzleramt angesiedelt – sowie sog. Spiegelreferate in allen Fachministerien.

    Warum ist das so dringend? Wegen des demografischen Wandels: In den nächsten zehn Jahren geht ein Drittel der Arbeitskräfte in Rente. Gleichzeitig fehlen neue Kräfte, besonders im öffentlichen Dienst. Deshalb muss die Verwaltung digital werden – ohne zusätzliches Personal.

    Digitalisierung ist nicht nur Technik, sondern zentrale politische Führungsaufgabe. Wer nicht digital gestalten kann, überlässt das Feld Populisten wie der AfD. Digitale Lösungsräume zu schaffen bedeutet auch, moderne Antworten auf moderne Probleme zu ermöglichen – statt in Ressentiments zu flüchten.

    Am Ende wird klar: Wer heute nicht digitalisiert, verschläft nicht nur den Fortschritt – sondern die Chance, unsere Gesellschaft zukunftsfähig und gerecht zu gestalten.

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    1 h y 29 m
  • GS002 Die Covid Tagebücher
    Apr 29 2025

    In dieser Folge des Podcasts blicken wir zurück auf die Corona-Pandemie – und darauf, was sie uns über den deutschen Staat und die Digitalisierung gelehrt hat. Alex erzählt, wie er dank früher Informationen aus Asien die Pandemie früh erkannte, sich vorbereitete und schließlich durch ein Konzept zur Einführung von Selbsttests ("#TestMeFree") Tausende Leben rettete.

    Er analysiert die massiven Fehlschläge des deutschen Staates: vom verspäteten Handeln, dem Masken-Fiasko des RKI, über das chaotische Schulwesen bis hin zum völligen Versagen bei der Digitalisierung – trotz bestehender Lösungen wie der österreichischen elektronischen Gesundheitsakte (ELGA). Auch zeigt er, wie mangelnde Flexibilität und die Angst vor Transparenz gravierende Folgen hatten.

    Neben persönlicher Erfahrungen – etwa der der Betreuung seiner Studenten während des Lockdowns – stellt Alex die entscheidenden Learnings heraus: Ein Staat muss flexibel sein, nicht perfekt. Digitalisierung scheitert nicht an Technik, sondern am politischen Willen. Und Vertrauen, einmal verspielt, ist kaum wiederherstellbar.

    Ein tiefgründiger, schonungsloser Blick auf ein historisches Versagen – und ein leidenschaftlicher Appell für echte Veränderung.

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    1 h y 28 m
  • GS001 Perspektive und Verantwortung
    Apr 21 2025

    Warum machen wir diesen Podcast? Was ist unser Auftrag, und was ist mein persönliches Versprechen an euch, die Zuhörerinnen und Zuhörer?

    In dieser ersten Folge stelle ich die Leitfrage des gesamten Projekts vor: Wie können wir heute Entscheidungen treffen, die in 20 Jahren noch richtig sind? Dafür brauchen wir zwei Zielbilder – eines, das beschreibt, wie die Welt in 20 Jahren wahrscheinlich aussehen wird, und eines, das zeigt, wie wir wollen, dass sie aussieht. Zwischen diesen beiden Bildern bewegt sich unsere Verantwortung.

    Wir leben in einer Zeit fundamentaler Umbrüche – technologisch, gesellschaftlich, politisch. Die Digitalisierung ist nicht nur ein Tool, sondern ein zivilisatorischer Bruch, der Grundbegriffe wie Arbeit, Eigentum, Bürokratie und Staat infrage stellt. Wer die Zukunft gestalten will, muss sie zuerst verstehen – systematisch, jenseits von Esoterik und Tagespolitik.

    Diese Folge ist ein Manifest: für eine neue Gesprächskultur, für intellektuelle Redlichkeit, für das Ringen um Klarheit in einer zunehmend komplexen Welt. Wir sprechen über historische Verantwortung, konzeptionelle Werkzeuge und warum der Blick nach vorn der einzige ist, der zählt.

    Und ich verspreche euch: Alles, was wir hier besprechen, soll auch noch in zwei Jahren relevant sein.


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    52 m