Episodios

  • «Wir sind systemrelevant»
    Dec 30 2025
    Gast: Marcel Durst, Gründungsmitglied ASPS Host: Martin Radtke, Co-Herausgeber Spitex-Drehscheibe Die private Spitex ist heute ein zentraler Pfeiler der ambulanten Versorgung. Das war nicht immer so. Marcel Durst, Mitgründer und langjähriger Geschäftsführer des Verbands der privaten Spitex-Organisationen (ASPS), hat über zwanzig Jahre daran gearbeitet, diese Lücke zu schliessen. Nun übergibt er die operative Leitung und zieht Bilanz. Als die ASPS gegründet wurde, fehlte den privaten Spitex-Organisationen eine eigenständige Vertretung. «Die privaten Leistungserbringer hatten politisch keine Stimme», sagt Marcel Durst. Während Spitex Schweiz primär die öffentlichen Organisationen mit kommunalen oder kantonalen Leistungsverträgen vertrat, wuchs der private Bereich stark, ohne formellen Platz im politischen Diskurs. Für Marcel Durst war früh klar: Wer nicht organisiert ist, wird nicht gehört. «Die privaten Spitex-Organisationen haben Marktanteile aufgebaut und sind heute systemrelevant. Entsprechend müssen sie mit der Politik, den Versicherern und dem BAG auf Augenhöhe sprechen können.» Eine Integration in Spitex Schweiz sei damals diskutiert worden, habe sich aber nicht realisieren lassen. «Heute ist das Verhältnis konstruktiver, doch damals brauchte es zwingend einen eigenen Verband.» Diese Entscheidung habe sich bewährt. Die ASPS vertritt heute rund 480 Organisationen und einen grossen Teil der ambulanten Pflegeleistungen der privaten Spitex. «Wir sind heute politisch präsent und werden ernst genommen», sagt Marcel Durst. Sichtbar werde das auch an konkreten Erfolgen, etwa bei der Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Hauswirtschaft und Betreuung für die private Spitex. Konfliktlinien bestehen dennoch, insbesondere auf kantonaler Ebene. Marcel Durst spricht von strukturellen Unterschieden in der Finanzierung zwischen öffentlichen und privaten Organisationen. «Wir fordern keine Sonderrolle, sondern faire und transparente Rahmenbedingungen.» Gerade weil beide Seiten Teil derselben Versorgung seien, müsse Vergleichbarkeit gegeben sein. Gleichzeitig betont Durst die Ergänzung der Modelle. Private Organisationen seien oft flexibler organisiert, arbeiteten stärker mit Bezugspflege und hätten eine hohe betriebliche Effizienz. «Es braucht öffentliche und private Anbieter. Entscheidend ist nicht das Entweder-oder, sondern das Miteinander.» Mit Blick auf die Zukunft rückt für Marcel Durst die Zusammenarbeit stärker in den Vordergrund. «Wir wollen Projekte gemeinsam mit Spitex Schweiz angehen.» Voraussetzung sei jedoch die gegenseitige Anerkennung als gleichwertige Partner. «Man muss akzeptieren, dass es zwei Player gibt, die auf Augenhöhe zusammenarbeiten.» Mit der Übergabe der operativen Leitung an Katharina Hadorn und Christine Hänni endet für Marcel Durst eine prägende Phase. Sein zentrales Anliegen bleibt jedoch aktuell: «Die ambulante Pflege wird in den kommenden Jahren stark wachsen. Umso wichtiger ist eine konstruktive, starke politische Vertretung.» Ob diese künftig getrennt oder gemeinsam organisiert ist, wird die Zukunft zeigen.
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    26 m
  • Ausbildung bei Spitex Zürich
    Nov 25 2025
    --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Gast: Christina Müller, Bildungsverantwortliche Spitex Zürich Host: Jennifer Kummli, Gründerin und Inhaberin Better Nursing --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Die Spitex-Ausbildung bleibt für viele junge Menschen überraschend attraktiv – trotz Fachkräftemangel und steigender Komplexität. Christina Müller, Bildungsverantwortliche von Spitex Zürich, sagt: «Wir haben eine sehr persönliche Beziehung zu unseren Kundinnen und Kunden, was im Akutspital viel weniger möglich ist.». Gerade Millennials und die Generation Z suchten sinnstiftende Arbeit. Und dies finden sie in der Pflege zu Hause. Spitex Zürich bildet aktuell 65 Lernende und rund 30 Studierende aus. Neben Fachpersonen Gesundheit (FaGe) bietet die Organisation neu auch die Ausbildung Fachpersonen Betreuung Menschen im Alter (FaBe MiA) an. Für Christina Müller ist klar: «Wir wollen dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Und Talente früh auf ihrem Karriereweg begleiten.» Entscheidend sei, dass Lernende Organisationstalent, Selbstständigkeit und Sozialkompetenz mitbringen. «Kein Tag ist wie der andere. Unsere Lernenden müssen flexibel reagieren können.» Herausfordernd bleibt die Rekrutierung: Bewerbungen müssten heute «sehr schnell» bearbeitet werden, sonst seien Kandidatinnen und Kandidaten bereits weg. Unterstützung wünscht sich Christina Müller von Schulen und Politik. Insbesondere soll die Komplexität der Pflege im häuslichen Umfeld mehr Anerkennung erfahren. Wer wissen will, wie Spitex Zürich junge Menschen auf anspruchsvolle Pflegeaufgaben vorbereitet, hört jetzt rein.
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    28 m
  • «Wir brauchen intelligente Wohnungen»
    Oct 28 2025
    --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Gast: Ivo Bracher, Gründer und Verwaltungsratspräsident von Bonacasa, Bonainvest und Läbesgarte Bibrist Host: Jennifer Kummli, Gründerin und Inhaberin Better Nursing --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Ivo Bracher will das Wohnen im Alter neu erfinden. Er setzt auf betreutes Wohnen mit Service. Die Bewohnerinnen und Bewohner leben in hindernisfreien Wohnungen, die auf Alter und Mobilität zuge-schnitten sind. Ein Concierge vor Ort koordiniert Angebote, Gemeinschaftsaktivitäten und Dienst-leistungen. Wie kam Ivo Bracher auf die Idee, sich hier zu engagieren? «Ich habe erlebt, wie meine Grossmutter im Heim in einem Zimmer leben musste, wo immer wieder andere Menschen gestorben sind. Das war für mich nicht menschenwürdig», sagt Ivo Bracher. Ein Kernstück des Konzepts ist die enge Zusammenarbeit mit der Spitex. In den von Bonacasa betreuten Häusern werden heute rund 50 Spitex-Mitarbeitende eingesetzt, die Pflege und Betreuung direkt in die Wohnungen bringen. So können ältere Menschen länger selbstständig leben. Neben Pflege und Sicherheit setzt Bonacasa auf Prävention und soziale Vernetzung. Gemeinschafts-räume, Fitnessangebote und digitale Plattformen sollen Bewegung und Begegnung fördern. «Wir wollen kein Pflegeheim light, sondern ein aktivierendes Wohnen», sagt Bracher. In Unterägeri trainiert bereits die Hälfte der Bewohner regelmässig. Ivo Bracher ist überzeugt: «Wir müssen Wohnungen bauen, die demografisch intelligent sind. Damit das Alter nicht zum Problem, sondern zur Lebensphase wird.»
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    41 m
  • Gesundheitsversorgung muss man gross denken
    Sep 30 2025
    -------------------------------------------------------------------------------------------------- Gast: Hannes Koch, CEO Spitex Kriens und Kantonsrat im Kanton Luzern Host: Jennifer Kummli, Gründerin und Inhaberin Better Nursing -------------------------------------------------------------------------------------------------- «Ein grosser Gewinn der Pflegeiniative ist, dass man über den Pflegeberuf spricht», sagt Hannes Koch, CEO der Spitex Kriens und Kantonsrat im Kanton Luzern. Er zieht insgesamt eine positive Bilanz beim aktuellen Stand der Umsetzung. Die Spitex Kriens sei breit aufgestellt: Die Mitarbeitenden pflegen nicht nur ältere Menschen, zudem decke das Angebot Spezialdienste ab. «’Bei einer Spitex-Organisation kann man sehr selbstständig arbeiten’. Das höre ich immer wieder von Personen, die bei uns ein Job-Shadowing machen», so Hannes Koch. Was hat die Pflegeinitiative konkret hervorgebracht? Ein eigenes Gesetz haben, das ist das eine. Die Folgen dann zu finanzieren, etwas ganz anderes. Hier dämpft Hannes Koch allzu hohe Erwartungen. Es brauche auch einen Wandel in der Branchenkultur, konkret in der Zusammenarbeit zwischen Ärztinnen und Ärzten sowie Pflegefachpersonen. Ein Kulturwandel sei gesetzlich nicht steuerbar, sagt Hannes Koch. Er sieht die Pflegeexpertinnen und -experten APN als Modell der Zukunft. Hannes Koch ist der Überzeugung, dass man das Gesundheitswesen grösser denken muss. «Hier braucht es mindestens die Grösse eines Kantons», sagt Hannes Koch. Die Schweiz habe mehr als acht Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. In anderen Ländern gebe es Städte, die grösser seien. Hannes Koch zeichnet ein positives Bild, wo die Spitex in zehn Jahren stehen wird. «Die Zukunft ist ambulant», ist er überzeugt.
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    32 m
  • Daten – der Schlüssel für die Spitex-Zukunft
    Aug 25 2025
    ________________________________________________________________ Gast: Esther Bättig, Spitex Schweiz, Grundlagen und Entwicklungen, Fokus Pflegequalität und Prozesse Host: Jennifer Kummli, Gründerin und Inhaberin Better Nursing ________________________________________________________________ Esther Bättig ist bei Spitex Schweiz im Bereich Grundlagen und Entwicklung, mit Fokus Pflegequalität und Prozesse, tätig. Alle Spitex-Organisationen, auch private, können kostenlos ihre Daten auf Homecare-Data einspeisen. So unterstützen sie eine solide Spitex-Datenbasis. Selbstverständlich ist eine gute Datenqualität Voraussetzung, damit Krankheitsbilder, Pflegekomplexität und Leistungen transparent dargestellt werden können. Die Daten können die Spitex-Organisationen selbst nutzen, beispielsweise um ihre Pflegequalität weiter zu verbessern. Die Daten werden aber auch für politische Diskussionen genutzt. Und werden auch bei den EFAS-Verhandlungen eine wichtige Rolle spielen. «Es ist wichtig, dass wir möglichst viele und möglichst gute Daten für diese Verhandlungen haben», sagt Esther Bättig. Sie ruft daher die Spitex-Organisationen auf, die eigenen Daten zur Verfügung zu stellen. Spitex Schweiz bietet hier den entsprechenden Support. Was wünscht sich Esther Bättig für die Zukunft? Aus ihrer Sicht müssten die gesetzlichen Grundlagen geschaffen werden, damit Registerverknüpfungen möglich sind. «Hier stehen wir erst ganz am Anfang», so Esther Bättig. Ziel sei es, dass beispielsweise das Bundesamt für Statistik die Möglichkeit habe, Daten auf der Basis von AHV-Nummer zu verknüpfen und damit den erhobenen Daten noch mehr Aussagekraft zu verleihen. «Das gibt es heute schon, beispielsweise beim Krebsregister», sagt Esther Bättig. Und wenn sie noch einen Wunsch offen hat? «Ziel wäre schon, dass möglichst alle Spitex-Organisationen Homecare-Data nutzen würden!»
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    39 m
  • Neue Vision: KI-gestütztes Dokumentationssystem Episode
    Jul 29 2025
    _______________________________________________________ Gast: Nicole Oberhänsli, Geschäftsführerin Pflegeschule Oberhänsli Host: Jennifer Kummli, Gründerin und Inhaberin Better Nursing _______________________________________________________ Nicole Oberhänsli ist überzeugt, dass eine gute InterRAI-Schulung unabdingbar ist. Die Schulung sollte idealerweise nach einigen Monaten Spitex-Praxis besucht werden, jedoch nicht zu spät. «Sonst gibt es Fehlkodierungen», so Nicole Oberhänsli. Doch die Schulung allein reicht nicht. Eine gute Einführung brauche individuelle Begleitung durch erfahrene Mitarbeitende oder APNs. Lernende sollen früh Re-Assessments durchführen, um Routine zu gewinnen. Was sind die Hauptprobleme in der Praxis? Oft fehle die Zeit wegen der personellen Engpässe. Oder es werden Bürozeiten zugunsten von Touren gestrichen. Entscheidend für eine ausreichende Finanzierung und eine gute Pflegequalität seien saubere Abklärungen. Was empfiehlt Nicole Oberhänsli? Ausreichende Bürozeit sei als gleichwertiger Einsatz zu verankern. Es brauche vermehrt Mentoring-Strukturen für neue Fallführende. Zudem sollten Organisationen Erstabklärungen auf zwei Besuche aufteilen und Teammitglieder sollten gezielt Beobachtungsaufträge übernehmen. Was ist ihre Zukunftsvision: KI-gestützte Dokumentationssysteme, die Berichte generieren, Ziele prüfen und Verlaufsdaten zusammenfassen, damit Pflegefachpersonen mehr Zeit für direkte Klientenarbeit haben.
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    39 m
  • So gelingt Kommunikation für eine Spitex-Organisation
    Jun 24 2025
    Gast: Andrea Miolo, Inhaberin The PR-Factory, Mitglied Vorstand Spitex Schweiz, Mitglied Fachbeirat Kommunikation Spitex Verband Kanton Zürich Host: Martin Radtke, Co-Herausgeber Spitex-Drehscheibe ----------------------------------------------------------------------------------------------------- Kommunikation – alle reden davon. Doch was heisst das konkret für eine Spitex-Organisation? Andrea Miolo macht deutlich: Kommunikation ist kein Luxus, sondern ein zentrales Führungsinstrument. Wer nicht sichtbar ist, wird übersehen – auch mit bestem Pflegeangebot. Andrea Miolo ist nicht begeistert vom Image der «lieben Pflegefachperson». «Ich habe lieber kompetente, aufgestellte und starke Pflegefachpersonen», so die Kommunikationsexpertin. Und ergänzet: «Begeisterte Mitarbeitende sind unsere besten Botschafter.» Andrea Miolo plädiert für klare Kommunikationsziele, realistische Prioritäten und Professionalität – auch bei limitierten Ressourcen. Und sie zeigt, wie auch kleinere Organisationen mit gezielten Massnahmen Wirkung erzielen können. Wie wichtig ist es, dass sich Profis bei einer Spitex-Organisation mit Kommunikation beschäftigen? «Kommunikation», so Andrea Miolo, «ist auch ein Beruf. Es ist wie bei der Pflege: Da hat man den Anspruch, dass man die Beste ist. Dann sollte man auch bei der Kommunikation den Anspruch haben, zu den Besten zu gehören.»
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    25 m
  • Wie Musik den Zustand von Spitex-Kundinnen und -kunden beeinflusst
    May 27 2025
    Gast: Mirjam Toews, Gründerin der Musik-Spitex Host: Jennifer Kummli, Gründerin und Inhaberin Betternursing ----------------------------------------------------------------------------------- Mirjam Toews hat die Musik-Spitex während der Corona-Zeit gegründet. Als Musikerin wusste sie, dass viele ihrer Berufskolleginnen und -kollegen nicht spielen konnten. Gleichzeitig konnten vulnerable Menschen keine Kultur geniessen, insbesondere keine Konzerte besuchen. Die Gründerin der Musik-Spitex erzählt eindrücklich mehrere persönliche Erlebnisse, wie Musik auf ältere oder kranke oder auch totkranke Menschen wirkt. «Musik geht direkt ins Gehirn und weckt Emotionen», sagt Mirjam Toews. Wen man Musik hört, die einem gefällt, werden Glückshormone ausgeschüttet. Dadurch fühle man sich gut. Die Musikerinnen und Musiker der Musik-Spitex spielen im Wohnzimmer der Spitex-Kundinnen und -kunden. Dabei lässt Mirjam Toews immer wieder zu, dass die Hörerinnen und Hörer auch Kontakt zum Musikinstrument herstellen können. Vor wenigen Wochen spielte sie für eine professionelle Musikerin, die nun in einem Altersheim lebt. «Die Frau hat mir gestanden, dass sie noch nie in ihrem Leben die Schwingungen eines Streichinstruments gefühlt hat», so Mirjam Toews. Am Ende der Episode gibt die Musikerin Mirjam Toews noch einen wertvollen Tipp für alle Pflegefachkräfte: Nach einem anstrengenden Tag gute Musik hören statt ein Feierabendbier trinken gehen!
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    39 m