Episodios

  • Ist Deutschlands Marine bereit für den Ernstfall in der Ostsee, Oliver Burkhard?
    Feb 3 2026

    Im „MUT“-Talk spricht Oliver Burkhard, CEO von TKMS, über Sicherheit, Verantwortung – und die unbequeme Frage, ob Deutschland und Europa auf einen militärischen Ernstfall in der Ostsee vorbereitet sind. „Wir sind kein Profiteur des Krieges“, betont Burkhard. „Wir stellen Dinge her, die unsere Werte und unsere Freiheit weltweit verteidigen.“

    Burkhards eigener Weg ist ungewöhnlich: Vom Verhandlungstisch der IG Metall führte ihn sein Karriereweg an die Spitze eines der wichtigsten europäischen Marineschiffbauer. Heute verantwortet er die Entwicklung und den Bau moderner Marineschiffe und U-Boote – mit einem Auftragsbuch von mehr als 18 Milliarden Euro, das TKMS bis in die 2040er-Jahre auslastet. Doch volle Bücher bedeuten für ihn keinen Anlass zur Entwarnung. Burkhard warnt vor einer sicherheitspolitisch kritischen Phase Ende des Jahrzehnts. Insbesondere die Jahre 2029/30 könnten in der Ostsee zu einem „Hotspot“ werden, sollte Russland nach einem möglichen Ende des Ukraine-Kriegs die NATO an den Grenzen der baltischen Staaten testen.

    Ein zentraler Punkt des Gesprächs ist Deutschlands technologische Stärke unter Wasser. TKMS gilt als weltweit führend bei nicht-nuklearen U-Booten – vor allem dank einer außenluftunabhängigen Brennstoffzellen-Technologie. Während klassische Diesel-U-Boote regelmäßig auftauchen müssen, um Sauerstoff für die Batterien aufzunehmen, ermöglicht diese Technologie sehr lange Tauchzeiten. „Wir haben eine Brennstoffzelle, die mit Wasserstoff Energie erzeugt, die wiederum die Batterien lädt“, erklärt Burkhard. „Man kann damit sehr, sehr lange tauchen.“

    Doch Burkhard macht klar: Technologische Exzellenz allein reicht nicht. Die größte Schwäche sieht er nicht im fehlenden Know-how, sondern in langsamen Prozessen. Die Zeitenwende habe zwar Geld gebracht, aber kaum Geschwindigkeit. „Nur weil man mehr Geld hat, heißt das noch nicht automatisch, dass man auch in der Lage ist, mehr auszugeben“, sagt er. Bürokratische Hürden, langwierige Genehmigungen und politische Entscheidungswege kosteten wertvolle Zeit – Zeit, die angesichts wachsender Bedrohungen fehle.

    Auch europäisch rechnet Burkhard mit bestehenden Strukturen ab. Während Russland mit einer weitgehend einheitlichen Flotte operiere, leiste sich Europa eine extreme Zersplitterung – unter anderem mit 24 verschiedenen Fregattentypen. Seine Forderung: eine industrielle Konsolidierung nach dem Airbus-Prinzip. Nur durch Zusammenarbeit könne Europa technologisch, wirtschaftlich und sicherheitspolitisch bestehen.

    Trotz der ernsten Analyse verfällt Burkhard nicht in Alarmismus. Er mahnt zu mehr Sachlichkeit und gesellschaftlicher Gelassenheit. Europa sei stärker, als viele glauben – vorausgesetzt, es nutze sein industrielles Potenzial und handle entschlossener. Sein Fazit: Wehrhaftigkeit entsteht nicht durch Panik, sondern durch Tempo, Pragmatismus und den Mut, alte Denk- und Entscheidungsstrukturen zu überwinden.

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    54 m
  • Wer macht unseren Strom so teuer, Philipp Schröder?
    Jan 13 2026

    Im MUT-Talk mit Tijen Onaran wird es grundlegend: Energieunternehmer und Ex-Tesla-Deutschland-Chef Philipp Schröder spricht über hohe Strompreise, politische Fehlanreize – und die Frage, warum günstige Energie in Deutschland trotzdem teuer bleibt.

    Sein Befund ist eindeutig: „Strom könnte fast kostenlos sein.“ Dass er es nicht ist, sei kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis eines dysfunktionalen Systems.

    Deutschland leidet unter europaweit höchsten Stromkosten. Für Schröder ist das die Folge politischer Entscheidungen und mächtiger Strukturen. Der Gründer von 1Komma5° spricht von einer „unheiligen Allianz“ zwischen Politik und großen Netzbetreibern. Die eigentliche „Gelddruckmaschine der Energiewende“ stehe nicht bei Wind- oder Solaranlagen, sondern „im Keller der Netzbetreiber“.

    Besonders scharf kritisiert Schröder die Netzentgelte. Während Strom aus Sonne und Wind immer günstiger erzeugt werde, kämen die Ersparnisse bei den Verbrauchern nicht an. „In manchen Regionen zahlt man 22 Cent allein für das Netz“, sagt er. Netzbetreiber hätten keine Konkurrenz und garantierte Renditen. „Eon verdient sein Geld nicht mit Strom, sondern mit dem Netz. Das ist wie die GEZ.“ Je mehr investiert werde, desto höher falle die Rendite aus – zulasten der Verbraucher.

    Auch die Energiepolitik nimmt Schröder ins Visier. Die geplanten Subventionen für neue Gaskraftwerke hält er für wettbewerbsverzerrend und kontraproduktiv. Deshalb hat er Beschwerde bei der EU-Kommission eingelegt. „Das ist ein Foul“, sagt er. Staatlich geförderte Großkraftwerke würden dezentrale Lösungen ausbremsen und die Strompreise weiter nach oben treiben. Kritisch äußert er sich zudem über personelle Nähe zwischen Politik und Energiekonzernen: „Das nehme ich mittlerweile als störend wahr.“

    Gleichzeitig räumt Schröder mit gängigen Ängsten auf – etwa rund um die Wärmepumpe. Die Debatte über unbezahlbare Kosten sei überzogen und von falschen Informationen geprägt. „Wer weiter mit Gas heizt, wird immer mehr zahlen“, warnt er. Steigende CO₂-Preise und Netzkosten machten fossile Energie langfristig unattraktiv. Die Wärmepumpe dagegen sei „magisch“ – besonders in Kombination mit Photovoltaik. Sein Ziel: Häuser zu kleinen Kraftwerken machen und Menschen von der Preisangst befreien.

    Persönlich wird es beim Blick zurück auf seine Zeit bei Tesla. Zwar habe er dort viel gelernt, die Arbeitskultur unter Elon Musk beschreibt Schröder jedoch als „sehr toxisch“. Massenentlassungen und permanenter Druck seien Teil des Systems gewesen. Heute setzt er bewusst andere Prioritäten – auch symbolisch. Privat fährt er BMW.

    Trotz aller Kritik blickt Schröder nicht pessimistisch nach vorn. Er sieht Deutschland an einem Wendepunkt. „Der Groschen fällt langsam“, sagt er – in Fragen der Energieversorgung, der wirtschaftlichen Resilienz und der strategischen Unabhängigkeit. Sein Appell: weniger Bürokratie, mehr Ehrlichkeit, konsequente Nutzung günstiger Erneuerbarer. Denn Wohlstand und Sicherheit seien kein Selbstläufer. Mut bedeute, bestehende Strukturen infrage zu stellen – bevor sie uns weiter teuer zu stehen kommen.


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    49 m
  • Wie krank ist Deutschland – und unser Gesundheitssystem, Jens Baas?
    Dec 23 2025

    TK-Chef Jens Baas warnt im MUT-Talk vor massiv steigenden Beiträgen: 2026 drohen Zusatzbeiträge über 3 Prozent. Er fordert radikale Reformen gegen Ineffizienz und staatliche Ungerechtigkeit im System.

    Baas korrigiert die optimistischen Prognosen der Politik nach unten und warnt vor massiv steigenden Beiträgen: Der durchschnittliche Zusatzbeitrag wird die 3-Prozent-Marke überschreiten und der Gesamtbeitrag für die Krankenversicherung wird in einigen Jahren bei über 20 Prozent liegen. „Die Politik hat sich hier etwas vorgemacht. Aber Wunder gibt es bei uns eben nicht“, stellt Baas klar.

    Statt populistischer Schnelllösungen fordert Baas einen echten Strukturwandel:
    digital vor ambulant vor stationär, eine intelligentere Steuerung der Versorgung und ein Krankenversicherungssystem, das soziale Gerechtigkeit mit finanzieller Nachhaltigkeit verbindet.

    Besonders konkret wird er mit einem Drei-Punkte-Plan, der Beitragszahler kurzfristig um über 20 Milliarden Euro entlasten könnte – von einer Mehrwertsteuersenkung auf Medikamente über faire Pharma-Preise bis hin zu einer ehrlichen Finanzierung der Gesundheitskosten für Bürgergeld-Empfänger.

    Diese Folge ist ein Weckruf:
    Für Ehrlichkeit statt SchönrechnereiFür Reformen statt neuer BelastungenFür ein Gesundheitssystem, das auch morgen noch bezahlbar ist.

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    45 m
  • Wie viel Angst haben Sie um Ihre Familie – und um unser Land, Ahmad Mansour?
    Nov 25 2025

    Im Special-„MUT-Talk“ mit Tijen Onaran und Florian Festl wird es persönlich: Ahmad Mansour spricht über Ängste, Verantwortung – und die Frage, wie wir unsere Debattenkultur retten können. „Unsere Debattenkultur ist kaputt“, sagt er. Gleichzeitig fordert er: „Mut statt Gratismut.“

    In einer bewegenden Live-Aufzeichnung im Rahmen der „Mut Maker Awards“ in Karlsruhe spricht der Psychologe und Islamismus-Experte offen über Bedrohungen, Anfeindungen und über die emotionale Last, die auch seine Familie mitträgt. Und trotzdem bleibt er klar: Er habe Deutschland als Wahlheimat bewusst gewählt – und sehe es als Pflicht, Demokratie zu verteidigen: „Das gibt es nicht zum Nulltarif.“

    Mansour rechnet mit Vorwürfen aus Teilen der Medienlandschaft und der politischen Szene ab: Diffamierungen, pauschalisierte Rassismuskritik und der Vorwurf „erer Politik“ seien „eine glatte Lüge“. Er widerspricht deutlich: „Ich bin vielleicht Shitstorm-Experte – aber ich kämpfe für Menschenrechte und Freiheit.“

    Gleichzeitig richtet er den Blick nach vorne: Es brauche eine ehrliche Debatte über Migration, Integration und Sicherheit – ohne Empörungsschleifen, ohne moralische Etiketten. Denn, so Mansour: „Wir haben keine Strategie, wie wir aus Fremden Demokraten machen.“

    Zum Schluss folgt ein Appell: Mut bedeute nicht laut zu sein, wenn alle applaudieren – sondern dort zu sprechen, wo es unbequem wird. „Wenn wir diese Demokratie schützen wollen, dann dürfen wir nicht warten, bis andere es tun.“

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    37 m
  • Funkloch statt Fortschritt: Wo ist die Deutschland-Power geblieben, Marcel de Groot?
    Sep 30 2025

    Im MUT-Talk mit Tijen Onaran spricht Vodafone-Deutschlandchef Marcel de Groot über die aktuelle Lage Deutschlands und zeigt sich trotz aller Herausforderungen optimistisch. „Ich glaube, Deutschland ist ein bisschen verschnupft“, sagt er. Als gebürtiger Niederländer habe er immer auf Deutschland geschaut – „als sehr fleißiges und sehr erfolgreiches Industrieland. ‚Made in Germany‘ steht für hervorragende Qualität.“ Umso wichtiger sei es jetzt, nicht den Mut zu verlieren: „Ich hoffe, dass wir das wieder in den Griff bekommen. Ich glaube sogar: unbedingt. Es braucht nur Mut, es braucht Durchgreifen und es braucht den Glauben an die Wende.“Eine zentrale Rolle spiele dabei die Digitalisierung des Mittelstands. „Wir wissen, dass Unternehmen, die gut durchdigitalisiert sind, geschützt sind und in der modernen Zeit angekommen sind, 23 Prozent mehr Umsatz und Gewinn erzielen als jene, die es nicht sind. Das ist eine riesige Chance.“De Groot warnt jedoch davor, schnelle Wunder zu erwarten. „Die Dinge lassen sich nicht in einigen Monaten ändern. Es braucht Zeit. Die aktuellen Probleme sind auch nicht in kurzer Zeit entstanden.“ Wichtig sei, dass Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam handeln. „Wir sollten nicht immer nur auf die Regierung schauen, sondern selbst in der Wirtschaft Dinge in die Hand nehmen, um Deutschland wieder nach vorne zu treiben.“ Deutschland habe schon einmal bewiesen, dass es große Umbrüche meistern könne: „Das Wirtschaftswunder ist hier erfunden worden. Ich bin mir ganz sicher, dass wir mit dem richtigen Ansatz und der richtigen Unterstützung wieder nach vorne kommen.“Für Vodafone bleibe Deutschland ein zentraler Markt. „Deutschland ist für uns ein sehr wichtiger Standort, das Herzstück unseres Unternehmens“, betont de Groot. „Es ist die drittgrößte Wirtschaft der Welt mit viel Potenzial, Dinge zu verbessern und nach vorne zu treiben – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch für die Menschen.“ Technologie könne dabei ein entscheidender Treiber sein: „In den letzten 20 Jahren war Mobilfunk enorm wichtig für das weltweite Wachstum, und wir haben eine zentrale Rolle, Deutschland weiter voranzubringen.“Am Ende gehe es für ihn nicht nur um Profit, sondern um Wirkung: „Was mich antreibt, ist die Frage, was wir als Unternehmen für Europa und ganz konkret für Deutschland bedeuten. Diese digitale Wende voranzutreiben, macht mir unheimlich viel Spaß und gibt mir sehr viel Energie.“

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    45 m
  • Wie viel Mut steckt in deinem Erfolg, Julia Engelmann?
    Sep 29 2025

    "Ich glaube, man kann etwas über sich lernen, indem man mutig ist."

    Im MUT-Podcast spricht Poetry-Slammerin und Autorin Julia Engelmann mit Tijen Onaran über den Mut, neue Wege zu gehen – und darüber, was es bedeutet, sich als Künstlerin immer wieder neu zu erfinden. Bekannt wurde Engelmann mit ihrem viralen Auftritt „Eines Tages, Baby“ – jetzt hat sie mit Himmel ohne Ende ihren ersten Roman veröffentlicht.

    Im Gespräch erzählt sie, warum Erfolg nicht immer mit Selbstvertrauen einhergeht, wie sie mit Zweifeln umgeht und warum Verletzlichkeit oft die größte Stärke ist. Gemeinsam mit Onaran diskutiert sie, warum Mut nicht nur im Rampenlicht, sondern vor allem im Stillen beginnt – beim Schreiben, beim Scheitern, beim Sich-Zeigen.

    Eine Folge über Kreativität, Persönlichkeit und den Weg vom gesprochenen Wort zur literarischen Stimme.

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    40 m
  • Sterben unsere Restaurants – und kann Migration die Gastro retten, Steffen Greubel?
    Aug 26 2025

    Im MUT-Podcast warnt Metro-Chef Steffen Greubel vor dem stillen Sterben vieler Restaurants. Er fordert mehr lokale Lebensmittelproduktion, weniger bürokratischen Irrsinn und beantwortet dieFrage, ob am Ende vielleicht mehr Migration die gebeutelte Branche retten kann.

    Im MUT-Podcast von FOCUS online spricht Metro-Chef SteffenGreubel mit Tijen Onaran über die Krise der Gastronomie, steigende Lebensmittelpreise und die Herausforderungen für die Branche. Gleich zu Beginn macht er deutlich, wie er selbst beim Einkauf vorgeht: „Ich bin ein Riesenanhänger von Rohprodukten und eigener Verarbeitung – entweder zu Hause oder in der Gastronomie. Diese ganzen Ersatz- und Fertigprodukte möchte ich nicht.“ Für ihn ist klar: Qualität und natürliche Lebensmittel sindentscheidend – sowohl privat als auch im professionellen Bereich.

    Ein zentrales Thema ist die Förderung lokalerLebensmittelproduktion. Greubel fordert: „Wir müssen wirklich auf Lokalität, auf Selbstversorgungsmöglichkeit, auf Autarkie setzen und die lokale Produktion fördern.“ Nur so lasse sich die Versorgungssicherheit gewährleisten und Abhängigkeiten von internationalen Lieferketten reduzieren. Gleichzeitigkritisiert er die aktuelle Regulierung: „Wir müssen die Regularien sogestalten, dass lokale Produktion im großen Stil wieder möglich ist.“

    Die Gastronomie selbst steht laut Greubel unter massivemDruck: steigende Kosten, Bürokratie und Personalmangel bedrohen zahlreiche Betriebe. „Daran werden viele Restaurants zugrunde gehen“, warnt er. Besondersabsurde Vorschriften belasten Gastronomen unnötig: „Wenn du ein Omelett aus zwei Bio-Eiern machst, bekommst du Todesärger, weil die ganze Karte zertifiziert sein muss.“

    Als Gegenmaßnahme hebt er steuerliche Entlastungen hervor:„Die Gleichbehandlung von Speisen und Getränken durch die7-Prozent-Mehrwertsteuer ist längst überfällig. Das wird hunderte, wenn nichttausende Betriebe davor retten, aufzugeben.“ Ziel müsse sein, Bürokratieabzubauen, Rahmenbedingungen für Start-ups und kleine Unternehmen zu verbessernund faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen.

    Personalfragen sind ein weiteres zentrales Thema. Greubelsieht Migration als Chance, den Fachkräftemangel zu bekämpfen. „Statt über mehr oder weniger Migration zu reden, würde ich erst mal überlegen: Wie kriegt man die Leute motiviert, in die Gastronomie einzusteigen?“ Wichtig seien niedrigschwellige Einstiegsmöglichkeiten, etwa für Spüler oder Küchenhilfen, bei denen Sprachkenntnisse zunächst keine Hürde darstellen. Wer arbeite, lerne im Job sowohl die Sprache als auch den Beruf. Zudem müsse die Alternative, nicht zu arbeiten, unattraktiv gestaltet werden, um Motivation zu erhöhen. So könne die Gastronomie ein wertvoller Einstieg für Schüler oder neu zugewanderte Menschen sein.

    Trotz aller Herausforderungen blickt Greubel optimistisch indie Zukunft: „Erstens mal, volkswirtschaftlich, die Inflation geht runter, die Löhne steigen signifikant, das verfügbare Einkommen der Haushalte geht nach oben.“ Das werde das Konsumverhalten normalisieren und die Menschen wieder mehr ausgeben lassen. Gleichzeitig betont er die Bedeutung von Stabilität und sichtbaren politischen Maßnahmen: Bürokratieabbau und Infrastrukturinvestitionen müssten spürbar sein, sonst verliere das Vertrauen der Bürger.

    Greubel appelliert auch an den gesellschaftlichenOptimismus: Unternehmerisches Handeln, neue Gastronomiebetriebe und Start-ups sollten gefeiert werden. „Wir brauchen diesen Optimismus zurück… Bei jedem Unternehmen, das sich gründet, müsste der Kanzler auf so einen Gong hauen und sagen: Geil, jetzt ist wieder eins da.“ Für ihn ist das ein wichtiger Impuls, um Wirtschaftswachstum zu fördern, Innenstädte zu beleben und die Vielfalt in der Gastronomie zu erhalten.

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    45 m
  • Was wird aus unserem Land – und was aus Ihnen, Wolfgang Grupp?
    Jul 1 2025

    Ex-Trigema-Chef Wolfgang Grupp rechnet im MUT-Talk mit Politik, Leistungsdebatte und Migration ab: „Mit der AfD muss man sprechen“, findet er. „Schulden machen gibt es bei mir nicht“, schießt er in Richtung Berlin. Am Ende blickt er auf sein Leben zurück und ist den Tränen nah.

    Im „MUT-Talk“ mit Tijen Onaran spricht Wolfgang Grupp offen und pointiert über Politik, Wirtschaft und persönliche Werte. Zunächst kritisiert er den Umgang der CDU mit der AfD kritisiert er: „Was mich gestört hat, ist, dass Herr Merz als Demokrat gesagt hat: Mit der AfD spreche ich nicht.“ In einer Demokratie müsse man mit allen sprechen – „vor allem, wenn ich der Meinung bin, ich habe ein Problem, dann muss ich noch mehr sprechen.“

    Eine Koalition mit der AfD schließt die Unternehmerlegende nicht aus: „Wenn ich sage, ich bin in einer Demokratie und habe die zweitstärkste Partei, dann kann ich die nicht ausschließen.“ Protestwähler gewinne man nur durch Dialog zurück: „Ich muss immer mehr sprechen. Dann gibt es nicht so viele Protestwähler.“

    Wirtschaftlich setzt Grupp auf völlige Unabhängigkeit: „Schulden machen gibt es bei mir nicht.“ Er übernahm Trigema hoch verschuldet, brach seine Promotion ab und baute das Unternehmen aus eigener Kraft auf. „Wir haben 100 Prozent Eigenkapital. Ich bin von keinem abhängig.“ Leistung beginne beim Vorbild: „Ich muss ein gewisses Vorbild für meine Mitarbeiter abgeben.“ Für eine Vier-Tage-Woche gebe es bei ihm keine Lehrstelle. Wer sich anstrenge, werde gefördert.

    Den Standort Deutschland verteidigt der Ex-Trigema-Chef hingegen leidenschaftlich: „Ich möchte nirgends anders produzieren.“ Wandel sei nötig, aber: „Wer viel Geld verdienen will, muss auch mehr Leistung bringen.“ Verantwortung sei für ihn entscheidend: „Wir brauchen die Haftung vom Unternehmer wieder zurück.“ Vollkasko ohne Risiko dürfe nicht gleich belohnt werden wie unternehmerisches Handeln mit Eigenverantwortung.

    Zur Außenpolitik sagt Grupp: „Wir müssen sprechen und nicht Krieg führen.“ Waffenlieferungen an die Ukraine lehnt er ab: „Diese Tausenden Toten und die Milliarden sind so sinnlos wie nur etwas“, findet er. Auch den Kurs der USA und die Nato-Osterweiterung kritisiert er scharf. Trump schätzt er mittlerweile als jemanden, „der Probleme zu lösen versucht“ – Hauptsache, man spreche, so Grupps Meinung.

    Emotional wird der Unternehmer beim Thema Migration: Ein langjähriger, bestens integrierter Mitarbeiter wurde trotz seiner Fürsprache abgeschoben. „Ich habe der Politik angeboten, die volle Verantwortung zu übernehmen – es half alles nichts.“ Straffällige Flüchtlinge hingegen dürften oftmals bleiben. „Das sind zwei Welten für mich.“ Grundsätzlich sehe er Migration aber positiv: „Wir haben 40 Nationalitäten – ich stehe hinter jedem Flüchtling.“ Doch bei schweren Verbrechen sei Schluss: „Dann muss radikal reagiert werden.“

    Zum Schluss spricht Grupp über Alter, Glück und Verantwortung und wird dabei sehr emotional. „Ich bin 83, habe alles verschenkt an meine Frau und Kinder. Jetzt kann man nur noch auf das Ende warten.“ Glück sei eine Frage der Entscheidung: „Wenn ich die richtige Frau heirate und auch in schweren Zeiten zu ihr stehe, dann ist das ein schönes Familienleben.“ Was ihn erfüllt? „Wenn ich einen Mitarbeiter am Sonntagabend anrufe und er sagt: ‚Herr Grupp, ich komme.‘ – dieses Glück zu haben, das ist doch schön.“

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    42 m