MUT - Der Deutschland Talk mit Tijen Onaran Podcast Por Tijen Onaran arte de portada

MUT - Der Deutschland Talk mit Tijen Onaran

MUT - Der Deutschland Talk mit Tijen Onaran

De: Tijen Onaran
Escúchala gratis

Deutschland braucht Veränderung, darüber sind wir uns alle einig. Doch wie diese Veränderung aussehen soll, darauf hat die Politik derzeit keine Antwort. In diesem Video-Podcast von Tijen Onaran gemeinsam mit Focus online diskutieren wir pragmatische Lösungen für die Zukunft von Deutschland. Kein Blick zurück, keine Ego-Polit-Show: MUT- Der Deutschland Talk mit Tijen Onaran ist ein Format, das Mut machen soll – und Lust auf, das, was kommt. In zehn Folgen denken Tijen und ihre Gäste Deutschland weiter – auf Augenhöhe, konfrontativ, aber immer konstruktiv.Tijen Onaran Ciencia Política Política y Gobierno
Episodios
  • Wie finden wir Mut zur Nuance in einer Welt voller einfacher Antworten, Tupoka Ogette?
    Mar 18 2026

    Im „MUT“-Talk spricht Tupoka Ogette mit Tijen Onaran über ihr neues Buch „Trotzdem Zuhause“, über Zugehörigkeit – und die Frage, wie wir in einer Welt voller einfacher Antworten den Mut zur Nuance bewahren können. „Es lohnt sich, die Anstrengung zu unternehmen, auf Nuancen zu schauen“, sagt Ogette. „Beides kann existieren und wahr sein.“

    Ogette, eine der prägenden Stimmen der Rassismuskritik in Deutschland, gibt dabei einen ungewöhnlich persönlichen Einblick in ihre eigene Geschichte. In „Trotzdem Zuhause“ beschreibt sie ihr Aufwachsen in der DDR, den tiefgreifenden Einschnitt durch die Ausreise und die langjährige Suche nach einem Gefühl von Zugehörigkeit. Den Schreibprozess bezeichnet sie als intensive „Seelenarbeit“, bei der sie sich noch einmal bewusst mit prägenden Erfahrungen und schmerzhaften Erinnerungen auseinandersetzen musste.

    Im Zentrum des Gesprächs steht das von ihr geprägte Bild des „Brückenmenschen“. Ogette beschreibt damit einen Zustand zwischen verschiedenen Welten – ein Leben in Übergängen, ohne klare Zuordnung. Diese Position sei zugleich eine Stärke und eine Herausforderung: Wer sich in der Mitte der Brücke befinde, könne unterschiedliche Perspektiven einnehmen und verbinden, müsse aber auch aushalten, nirgendwo vollständig dazuzugehören. Zugehörigkeit werde so nicht zu einem festen Zustand, sondern zu etwas, das immer wieder neu verhandelt werden müsse.

    Mit Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen wird Ogette deutlich. In einer Zeit wachsender Polarisierung, in der einfache Antworten und vermeintliche Gewissheiten an Attraktivität gewinnen, warnt sie vor genau diesen Vereinfachungen. Besonders kritisch sieht sie die Sehnsucht nach einem idealisierten „Früher“, das oft als Gegenentwurf zur komplexen Gegenwart herangezogen wird. Für Ogette liegt die eigentliche Stärke jedoch im Aushalten von Widersprüchen und im differenzierten Blick auf Realität. Die Zwischentöne seien kein Zeichen von Unsicherheit, sondern Ausdruck von Reife und Erkenntnis.

    Das Gespräch beleuchtet auch die persönlichen Kosten von Ausgrenzung und Rassismus. Ogette schildert eindrücklich, wie frühe Erfahrungen des Andersseins ihr Selbstbild geprägt haben. Ständige Zuschreibungen und das Gefühl, nicht dazuzugehören, können dazu führen, die eigene Existenz infrage zu stellen. „Irgendwann hinterfragst du deine Daseinsberechtigung“, sagt sie – und macht damit deutlich, wie tief solche Erfahrungen wirken können.

    Gleichzeitig bleibt der Ton des Gesprächs nicht resignativ. Ogette formuliert eine klare Haltung im Umgang mit Unsicherheit und Veränderung. Für sie ist Kontrolle eine Illusion – und gerade darin liegt eine Chance. Statt an starren Vorstellungen von Heimat festzuhalten, plädiert sie für ein dynamisches Verständnis: ein Zuhause, das sich verändert, mitwächst und neue Erfahrungen zulässt. „Ich möchte ein Zuhause, das sich bewegt“, sagt sie. Stillstand bedeute für sie nicht Sicherheit, sondern das Ende von Entwicklung.

    Ihr Buch versteht Ogette deshalb auch als Einladung: einen Resonanzraum zu schaffen, in dem Menschen sich selbst, ihre Widersprüche und ihre Brüche wiederfinden können. Es geht darum, die eigene Geschichte anzunehmen, ohne sie zu vereinfachen – und den Mut zu entwickeln, in einer komplexen Welt differenziert zu bleiben.

    Ihr Fazit: Der Mut zur Nuance ist keine Schwäche, sondern eine zentrale Fähigkeit unserer Zeit. Nur wer bereit ist, Ambivalenzen auszuhalten und unterschiedliche Wahrheiten nebeneinander bestehen zu lassen, kann sowohl persönlich als auch gesellschaftlich wachsen.

    Link zum Buch "Trotzdem Zuhause":

    https://www.penguin.de/buecher/tupoka-ogette-trotzdem-zuhause/buch/9783328604495

    Más Menos
    50 m
  • Ist Deutschlands Marine bereit für den Ernstfall in der Ostsee, Oliver Burkhard?
    Feb 3 2026

    Im „MUT“-Talk spricht Oliver Burkhard, CEO von TKMS, über Sicherheit, Verantwortung – und die unbequeme Frage, ob Deutschland und Europa auf einen militärischen Ernstfall in der Ostsee vorbereitet sind. „Wir sind kein Profiteur des Krieges“, betont Burkhard. „Wir stellen Dinge her, die unsere Werte und unsere Freiheit weltweit verteidigen.“

    Burkhards eigener Weg ist ungewöhnlich: Vom Verhandlungstisch der IG Metall führte ihn sein Karriereweg an die Spitze eines der wichtigsten europäischen Marineschiffbauer. Heute verantwortet er die Entwicklung und den Bau moderner Marineschiffe und U-Boote – mit einem Auftragsbuch von mehr als 18 Milliarden Euro, das TKMS bis in die 2040er-Jahre auslastet. Doch volle Bücher bedeuten für ihn keinen Anlass zur Entwarnung. Burkhard warnt vor einer sicherheitspolitisch kritischen Phase Ende des Jahrzehnts. Insbesondere die Jahre 2029/30 könnten in der Ostsee zu einem „Hotspot“ werden, sollte Russland nach einem möglichen Ende des Ukraine-Kriegs die NATO an den Grenzen der baltischen Staaten testen.

    Ein zentraler Punkt des Gesprächs ist Deutschlands technologische Stärke unter Wasser. TKMS gilt als weltweit führend bei nicht-nuklearen U-Booten – vor allem dank einer außenluftunabhängigen Brennstoffzellen-Technologie. Während klassische Diesel-U-Boote regelmäßig auftauchen müssen, um Sauerstoff für die Batterien aufzunehmen, ermöglicht diese Technologie sehr lange Tauchzeiten. „Wir haben eine Brennstoffzelle, die mit Wasserstoff Energie erzeugt, die wiederum die Batterien lädt“, erklärt Burkhard. „Man kann damit sehr, sehr lange tauchen.“

    Doch Burkhard macht klar: Technologische Exzellenz allein reicht nicht. Die größte Schwäche sieht er nicht im fehlenden Know-how, sondern in langsamen Prozessen. Die Zeitenwende habe zwar Geld gebracht, aber kaum Geschwindigkeit. „Nur weil man mehr Geld hat, heißt das noch nicht automatisch, dass man auch in der Lage ist, mehr auszugeben“, sagt er. Bürokratische Hürden, langwierige Genehmigungen und politische Entscheidungswege kosteten wertvolle Zeit – Zeit, die angesichts wachsender Bedrohungen fehle.

    Auch europäisch rechnet Burkhard mit bestehenden Strukturen ab. Während Russland mit einer weitgehend einheitlichen Flotte operiere, leiste sich Europa eine extreme Zersplitterung – unter anderem mit 24 verschiedenen Fregattentypen. Seine Forderung: eine industrielle Konsolidierung nach dem Airbus-Prinzip. Nur durch Zusammenarbeit könne Europa technologisch, wirtschaftlich und sicherheitspolitisch bestehen.

    Trotz der ernsten Analyse verfällt Burkhard nicht in Alarmismus. Er mahnt zu mehr Sachlichkeit und gesellschaftlicher Gelassenheit. Europa sei stärker, als viele glauben – vorausgesetzt, es nutze sein industrielles Potenzial und handle entschlossener. Sein Fazit: Wehrhaftigkeit entsteht nicht durch Panik, sondern durch Tempo, Pragmatismus und den Mut, alte Denk- und Entscheidungsstrukturen zu überwinden.

    Más Menos
    54 m
  • Wer macht unseren Strom so teuer, Philipp Schröder?
    Jan 13 2026

    Im MUT-Talk mit Tijen Onaran wird es grundlegend: Energieunternehmer und Ex-Tesla-Deutschland-Chef Philipp Schröder spricht über hohe Strompreise, politische Fehlanreize – und die Frage, warum günstige Energie in Deutschland trotzdem teuer bleibt.

    Sein Befund ist eindeutig: „Strom könnte fast kostenlos sein.“ Dass er es nicht ist, sei kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis eines dysfunktionalen Systems.

    Deutschland leidet unter europaweit höchsten Stromkosten. Für Schröder ist das die Folge politischer Entscheidungen und mächtiger Strukturen. Der Gründer von 1Komma5° spricht von einer „unheiligen Allianz“ zwischen Politik und großen Netzbetreibern. Die eigentliche „Gelddruckmaschine der Energiewende“ stehe nicht bei Wind- oder Solaranlagen, sondern „im Keller der Netzbetreiber“.

    Besonders scharf kritisiert Schröder die Netzentgelte. Während Strom aus Sonne und Wind immer günstiger erzeugt werde, kämen die Ersparnisse bei den Verbrauchern nicht an. „In manchen Regionen zahlt man 22 Cent allein für das Netz“, sagt er. Netzbetreiber hätten keine Konkurrenz und garantierte Renditen. „Eon verdient sein Geld nicht mit Strom, sondern mit dem Netz. Das ist wie die GEZ.“ Je mehr investiert werde, desto höher falle die Rendite aus – zulasten der Verbraucher.

    Auch die Energiepolitik nimmt Schröder ins Visier. Die geplanten Subventionen für neue Gaskraftwerke hält er für wettbewerbsverzerrend und kontraproduktiv. Deshalb hat er Beschwerde bei der EU-Kommission eingelegt. „Das ist ein Foul“, sagt er. Staatlich geförderte Großkraftwerke würden dezentrale Lösungen ausbremsen und die Strompreise weiter nach oben treiben. Kritisch äußert er sich zudem über personelle Nähe zwischen Politik und Energiekonzernen: „Das nehme ich mittlerweile als störend wahr.“

    Gleichzeitig räumt Schröder mit gängigen Ängsten auf – etwa rund um die Wärmepumpe. Die Debatte über unbezahlbare Kosten sei überzogen und von falschen Informationen geprägt. „Wer weiter mit Gas heizt, wird immer mehr zahlen“, warnt er. Steigende CO₂-Preise und Netzkosten machten fossile Energie langfristig unattraktiv. Die Wärmepumpe dagegen sei „magisch“ – besonders in Kombination mit Photovoltaik. Sein Ziel: Häuser zu kleinen Kraftwerken machen und Menschen von der Preisangst befreien.

    Persönlich wird es beim Blick zurück auf seine Zeit bei Tesla. Zwar habe er dort viel gelernt, die Arbeitskultur unter Elon Musk beschreibt Schröder jedoch als „sehr toxisch“. Massenentlassungen und permanenter Druck seien Teil des Systems gewesen. Heute setzt er bewusst andere Prioritäten – auch symbolisch. Privat fährt er BMW.

    Trotz aller Kritik blickt Schröder nicht pessimistisch nach vorn. Er sieht Deutschland an einem Wendepunkt. „Der Groschen fällt langsam“, sagt er – in Fragen der Energieversorgung, der wirtschaftlichen Resilienz und der strategischen Unabhängigkeit. Sein Appell: weniger Bürokratie, mehr Ehrlichkeit, konsequente Nutzung günstiger Erneuerbarer. Denn Wohlstand und Sicherheit seien kein Selbstläufer. Mut bedeute, bestehende Strukturen infrage zu stellen – bevor sie uns weiter teuer zu stehen kommen.


    Más Menos
    49 m
Todavía no hay opiniones