Ist Deutschlands Marine bereit für den Ernstfall in der Ostsee, Oliver Burkhard? Podcast Por  arte de portada

Ist Deutschlands Marine bereit für den Ernstfall in der Ostsee, Oliver Burkhard?

Ist Deutschlands Marine bereit für den Ernstfall in der Ostsee, Oliver Burkhard?

Escúchala gratis

Ver detalles del espectáculo

Im „MUT“-Talk spricht Oliver Burkhard, CEO von TKMS, über Sicherheit, Verantwortung – und die unbequeme Frage, ob Deutschland und Europa auf einen militärischen Ernstfall in der Ostsee vorbereitet sind. „Wir sind kein Profiteur des Krieges“, betont Burkhard. „Wir stellen Dinge her, die unsere Werte und unsere Freiheit weltweit verteidigen.“

Burkhards eigener Weg ist ungewöhnlich: Vom Verhandlungstisch der IG Metall führte ihn sein Karriereweg an die Spitze eines der wichtigsten europäischen Marineschiffbauer. Heute verantwortet er die Entwicklung und den Bau moderner Marineschiffe und U-Boote – mit einem Auftragsbuch von mehr als 18 Milliarden Euro, das TKMS bis in die 2040er-Jahre auslastet. Doch volle Bücher bedeuten für ihn keinen Anlass zur Entwarnung. Burkhard warnt vor einer sicherheitspolitisch kritischen Phase Ende des Jahrzehnts. Insbesondere die Jahre 2029/30 könnten in der Ostsee zu einem „Hotspot“ werden, sollte Russland nach einem möglichen Ende des Ukraine-Kriegs die NATO an den Grenzen der baltischen Staaten testen.

Ein zentraler Punkt des Gesprächs ist Deutschlands technologische Stärke unter Wasser. TKMS gilt als weltweit führend bei nicht-nuklearen U-Booten – vor allem dank einer außenluftunabhängigen Brennstoffzellen-Technologie. Während klassische Diesel-U-Boote regelmäßig auftauchen müssen, um Sauerstoff für die Batterien aufzunehmen, ermöglicht diese Technologie sehr lange Tauchzeiten. „Wir haben eine Brennstoffzelle, die mit Wasserstoff Energie erzeugt, die wiederum die Batterien lädt“, erklärt Burkhard. „Man kann damit sehr, sehr lange tauchen.“

Doch Burkhard macht klar: Technologische Exzellenz allein reicht nicht. Die größte Schwäche sieht er nicht im fehlenden Know-how, sondern in langsamen Prozessen. Die Zeitenwende habe zwar Geld gebracht, aber kaum Geschwindigkeit. „Nur weil man mehr Geld hat, heißt das noch nicht automatisch, dass man auch in der Lage ist, mehr auszugeben“, sagt er. Bürokratische Hürden, langwierige Genehmigungen und politische Entscheidungswege kosteten wertvolle Zeit – Zeit, die angesichts wachsender Bedrohungen fehle.

Auch europäisch rechnet Burkhard mit bestehenden Strukturen ab. Während Russland mit einer weitgehend einheitlichen Flotte operiere, leiste sich Europa eine extreme Zersplitterung – unter anderem mit 24 verschiedenen Fregattentypen. Seine Forderung: eine industrielle Konsolidierung nach dem Airbus-Prinzip. Nur durch Zusammenarbeit könne Europa technologisch, wirtschaftlich und sicherheitspolitisch bestehen.

Trotz der ernsten Analyse verfällt Burkhard nicht in Alarmismus. Er mahnt zu mehr Sachlichkeit und gesellschaftlicher Gelassenheit. Europa sei stärker, als viele glauben – vorausgesetzt, es nutze sein industrielles Potenzial und handle entschlossener. Sein Fazit: Wehrhaftigkeit entsteht nicht durch Panik, sondern durch Tempo, Pragmatismus und den Mut, alte Denk- und Entscheidungsstrukturen zu überwinden.

Todavía no hay opiniones