MYSTICS IN BALI (1981) - Eine US-Anthropologin kommt nach Bali um über Leak-Magie zu forschen. Sie lässt sich von einer Hexe in schwarze Künste einweihen. Nachts löst sich ihr Kopf vom Körper, fliegt durch die Gegend und saugt Föten aus schwangeren Frauen. Das Dorf findet das bemerkenswert wenig überraschend.
Das ist kein westlicher Exploitation-Film über exotischen Horror. Es ist ein indonesischer Film für den internationalen Markt, der das "Westler reist ins Ausland und begegnet lokalem Horror" Genre komplett umdreht.
DER FILM
Ilona ist Anthropologin und hat gerade ihre Dissertation über Voodoo geschrieben - durch praktisches Lernen der magischen Praktiken. Jetzt ist sie in Bali um dasselbe mit Leak-Magie zu machen. Ihr balinesischer Freund Mahendra bringt sie zu einer echten Leak-Hexe im Wald. Was könnte schon schiefgehen?
Die Hexe lehrt Ilona schwarze Magie. Ilona verwandelt sich in eine Schlange, kotzt lebendige Mäuse aus, und wird schließlich zur Penanggalan - einer fliegenden Vampir-Kopf-Kreatur. Nachts löst sich ihr Kopf vom Körper (mit allen Organen dran hängend) und fliegt los um Babys zu jagen.
VISUELL ABSOLUT BIZARR
Der fliegende Kopf ist ein praktischer Effekt. Organe baumeln. Blut tropft. Die Kreatur schwebt über schlafende schwangere Frauen und saugt das ungeborene Kind durch die Scheide raus. Das Dorf reagiert mit "Ah shit, schon wieder so eine."
Beste Szene: Die Dorfbewohner stecken Zahnstocher in Ilonas Hals damit der Kopf nicht mehr andocken kann. Der Kopf kreist verzweifelt über der Menge, versucht mit den Zähnen die Zahnstocher rauszuziehen, schafft es nicht. Sie vergraben den Körper. Der Kopf fliegt weiter alleine durch die Nacht.
Finale: Dragon Ball Z Style Energiekugel-Schlacht zwischen der Hexe und einem random Superonkel der im ganzen Film noch nie aufgetaucht ist. Mit animierten blauen Flammen und Backflips. Dauert ewig. Niemand weiß warum.
DIE PERSPEKTIVE MACHT DEN UNTERSCHIED
Normalerweise sehen wir diese Geschichten aus westlicher Sicht: Hostel, The Ruins, Turistas - naive Touristen geraten in fremde Länder und erleben Horror. MYSTICS IN BALI versucht das Gegenteil: einen Film für westliches Publikum machen (deshalb casten sie eine deutsche Touristin als "Amerikanerin"), aber die Story aus lokaler Perspektive erzählen.
Das funktioniert nur halb. Der Film kann nicht entscheiden ob er Ilonas oder Mahendras Perspektive einnehmen will. Aber genau das macht ihn interessant - es ist der Versuch eines nicht-westlichen Landes, westlichen Horror-Tourismus aus der Sicht derer zu zeigen die dort leben.
LEAK-MAGIE & BALINESISCHE FOLKLORE
Leak sind in der balinesischen Tradition böse Hexen und Zauberer die sich nachts in verschiedene Kreaturen verwandeln können. Die prominenteste Kreatur des Films ist ein Penanggalan. Sie trinken Blut, fressen Organe, und greifen besonders schwangere Frauen und Neugeborene an.
Der Film nimmt diese lokale Folklore ernst. Die Dorfbewohner reagieren nicht geschockt auf fliegende Köpfe - das ist Teil ihrer Realität. Westliche Arroganz ("ich forsche über eure Magie durch praktisches Lernen") trifft auf echte übernatürliche Konsequenzen.
CROWDFUNDING & THEATER NEWS
Theaterspaziergang am Sonntag! 16:00 und 18:00 Uhr, Bushaltestelle Reseberg. Wir zeigen euch die neue Halle und spielen Best-of Miskatonic Monologe. Eintritt frei.
Pickmana Supermodel: 17. & 20. Mai im Stellwerk Harburg - letzte Vorstellungen mit dieser Besetzung.
FÜR NEUE HÖRERINNEN
Wir reden über Horror aus allen Perspektiven. Manchmal Arthur Machen und viktorianische Hexengeschichten, manchmal CHARMED und 90er Nostalgie, manchmal indonesische B-Movies mit fliegenden Köpfen.
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