UGHW: Eigentlich Untragbar Podcast Por  arte de portada

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Die Idee der Schuluniform gilt in vielen Ländern als tragfähig. Sie hat ein paar handfeste Vorteile: Sie macht optisch gleich – und das ist nicht per se schlecht. Ein Label auf der Klamotte war immer Teil des Rankings. Wehe dem, dessen Erziehungsberechtigte nicht mithalten konnten. Das war bei Babyboomern, Gen X, Generation Golf und Gen Y so und wird bei Gen Alpha ff. nicht anders sein. Auch die Silent Generation kannte das – nur sprach kaum jemand darüber. Je nach Ausgestaltung erkennt man an Schulklamotten die Zugehörigkeit zu einer Lehranstalt. Das schafft Zusammenhalt, den manche Schulen nicht so leicht erzeugen. Harry-Potter-Fans wissen, was gemeint ist. Schuluniformen können bei biegsamen Kinderseelen durch Strickjacken, Hemden mit angestoßenen Kragen und Einheitskrawatten durchaus Corps-Geist erzeugen. Das Bedürfnis nach Gruppenzugehörigkeit und gleichzeitigem Untertauchen in der Masse passt gut zusammen. In den 70er- und 80er-Jahren waren Ted, Punk, Rocker, Mod oder Popper weniger Stilfragen als Entscheidungen, ob man seine Freunde behält. Die meisten wollten nicht auffallen, sondern in ihrer Peergroup durchkommen. Wie beim Schalke-Trikot: auf der Süd das Hemd des Teufels, rund ums Parkstadion völlig normal. Das Beispiel #sportwettensherriff zeigt das deutlich. Auch Erwachsene lieben es, in der Masse zu verschwinden. Uniformen beantworten intern schnell die Frage, wer wem was zu sagen hat. Modernes Flecktarn verlängert im Ernstfall sogar die Verbleibdauer in der Unternehmensgruppe – etwas, das die Rotröcke des Empires zu spät verstanden. Eine Marke hat es geschafft, wenn Legionen kaufen, sobald das neue Modell erscheint. Junge Mädchen im Dreiteiler aus Uggs, Leggings und Canada-Goose-Jacke waren einst überall. Heute landet die Saisonware in Lagos oder Mombasa. Ähnlich funktioniert der Grundausstatter griffaffiner Männer: Camp-David-Polos in Lachs und Himmelblau, mit Prints von Orten, die die Träger nie sehen werden. Es geht nicht um Schönheit, sondern ums Nichtauffallen – und ums Lebensgefühl von Weite und Abenteuer, wie man es sich in Hoppegarten vorstellt. Namen erfüllen ähnliche Bedürfnisse. In den 1980ern waren DDR-Kindernamen oft von Sportlern oder Fernsehhelden inspiriert. Wenn der Camp-David-Träger in Apolda Enrico heißt, überrascht das niemanden. Kindernamen spiegeln Wünsche der Erzeugergemeinschaft wider. Was sagen Amalia, Emil und Emma? Egal. Spätestens wenn Leon-Samuel als Punk vor dem Lidl die Camp-David-Träger anschnorrt, wächst sich alles raus.
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