Episodios

  • Stunde 0 der 2. Republik
    Jan 9 2026

    Heinz Fischer spricht über seine Kindheit und Schulzeit während des Zweiten Weltkriegs sowie über die traumatischen Erfahrungen, die die unmittelbare Nachkriegszeit prägten. Er schildert die Unsicherheit, den Hunger und die Wohnungsnot jener Jahre und wie diese Bedingungen das Leben einer ganzen Generation bestimmten. Zugleich beschreibt er den Wiederaufbau des Landes, der jedoch oft um den Preis des kollektiven Verdrängens der eigenen Kriegsvergangenheit erfolgte. Die anfänglich konsequente Verurteilung von NS-Verbrechern geriet bald ins Stocken, als ein neuer nationaler Schulterschluss wichtiger erschien als die Aufarbeitung. In diesem Umfeld wurden auch Figuren wie Taras Borodajkewycz zu Symbolen für die ungelösten Konflikte der noch jungen Zweiten Republik. Mariella Gittler im Gespräch mit Dr. Heinz Fischer, Bundespräsident a.D.

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    31 m
  • Koloniales Österreich?
    Jan 2 2026

    Der Mythos eines kolonial unbefleckten Österreichs bröckelt heute in Teilen der Geschichtsforschung. Neue Forschungsrichtungen untersuchen die Verstrickungen Österreichs in den Kolonialismus der vergangenen Jahrhunderte. Dabei geht es nicht nur um die vielfältige Involvierung in den überseeischen Kolonialismus anderer europäischer Mächte, sondern auch um Formen des Binnenkolonialismus in Europa – etwa in Bosnien. Sowohl in der Monarchie als auch in der Ersten Republik gab es Gruppierungen, die sich für die Schaffung eigener österreichischer Kolonien einsetzten, und während der Zeit des Austrofaschismus spielte Engelbert Dollfuß sogar konkret mit dem Gedanken, eine ehemals deutsche Kolonie zu übernehmen. Während der Besatzungszeit von 1945 bis 1955 ziehen österreichische Politiker Analogien zur Dekolonisierung weiter Teile des globalen Südens, während Österreich selbst weiterhin fremdbestimmt bleibt. Mariella Gittler im Gespräch mit der Zeithistorikerin Lucile Dreidemy.

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    18 m
  • Aktiv neutral
    Dec 26 2025

    Am Anfang ist die Neutralität eine eher unbeliebte Bedingung zur Wiedererlangung der vollen Souveränität Österreichs im Jahr 1955. Doch bald freundet man sich mit dem Gedanken an, und die Neutralität wird sogar zu einem zentralen Identitätsbaustein der noch jungen Zweiten Republik. Militärisch neutral, aber politisch als liberale Demokratie Teil des Westens – so lautet lange das österreichische Erfolgsrezept. Besonders Bruno Kreisky steht für eine aktive, am internationalen Völkerrecht orientierte Außenpolitik – ein großer Spagat für ein neutrales Land. Die Nähe zur UNO führt auch zur Ansiedlung zahlreicher internationaler Organisationen in Österreich. Nach dem Zerfall des Ostblocks gibt es keinen zwingenden außenpolitischen Grund mehr für die Beibehaltung der österreichischen Neutralität – doch der Bevölkerung ist sie inzwischen als vermeintlicher Sicherheitsgarant ans Herz gewachsen. Mariella Gittler im Gespräch mit der Zeithistorikerin Lucile Dreidemy.

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    15 m
  • Kanzlerdiktatur oder doch Austrofaschismus?
    Dec 19 2025

    Nach 1945 läuft die Aufarbeitung der vergangenen Jahre schleppend, und die Gräuel des Zweiten Weltkriegs und des NS-Terrors verstellen lange den Blick auf die Jahre der österreichischen Diktatur davor. Besonders die Frage, ob die Diktatur, die Österreich von 1933 bis 1938 prägte, als „faschistisch“ zu bezeichnen sei, löst in der Zweiten Republik eine kontroverse Debatte unter Fachleuten aus. Zeithistorikerin Lucile Dreidemy spricht sich im Gespräch mit Mariella Gittler für die Bezeichnung „Austrofaschismus“ aus und nennt ihre Gründe. Nach 1945 möchte man die Fehler der Ersten Republik nicht wiederholen und kehrt diese Zeit weitgehend unter den Teppich – noch bis zum Ende der 2000er-Jahre findet am Todestag Dollfußs eine feierliche Zeremonie im Bundeskanzleramt statt.

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    18 m
  • Die andere Machtergreifung 1933
    Dec 12 2025

    Bereits seit Beginn der 1930er-Jahre radikalisiert sich das bürgerliche Lager angesichts der prekären wirtschaftlichen Lage Österreichs zusehends. Es gibt der umfassenden Sozialgesetzgebung der sozialdemokratischen Vorgängerregierung unter Karl Renner die Schuld an der wirtschaftlichen Misere und möchte viele Errungenschaften wieder rückgängig machen. Auch aus Angst vor einer möglichen linken Revolution im Land strebt die Christlichsoziale Partei nun die Errichtung einer autoritären Diktatur in Österreich an. Am 4. März 1933 nutzt der damalige christlichsoziale Bundeskanzler Engelbert Dollfuß eine Geschäftsordnungskrise des Parlaments, um die Macht an sich zu reißen – es ist das vorläufige Ende der Demokratie in Österreich. Mariella Gittler im Gespräch mit der Zeithistorikerin Lucile Dreidemy.

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    16 m
  • Von der Opferthese zur Erinnerungskultur
    Dec 5 2025

    In der Moskauer Deklaration vom Oktober 1943 einigen sich die Alliierten darauf, dass Österreich als erstes Opfer Nazi-Deutschlands zu betrachten sei – eine Sichtweise, die sich die heimische Politik in der Folge gerne zu eigen macht. Doch bereits ab den 1960er Jahren gibt es einzelne Stimmen, die auf die verzerrte Sicht Österreichs auf diese Zeit aufmerksam machen. Trotzdem dauert es noch bis zum Jahr 1986, bis die Mitschuld vieler Österreicherinnen und Österreicher an den NS-Verbrechen im Zuge des Präsidentschaftswahlkampfs Kurt Waldheims in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Heute gibt es hierzulande ein breites Spektrum der Erinnerungskultur, angefangen von der Errichtung von Mahnmalen bis zu obligatorischen Besuchen von Schulklassen in ehemaligen Konzentrationslagern und dem Austausch mit den letzten noch lebenden Zeitzeugen. Mariella Gittler im Gespräch mit der Historikerin des DÖW Claudia Kuretsidis-Haider.

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    17 m
  • Simon Wiesenthal
    Nov 28 2025

    Als Überlebender des Holocaust liest Simon Wiesenthal nach dem Krieg in einer Werbeanzeige von einem "Elektrogeschäft Eichmann" - er wird hellhörig. Adolf Eichmann, der an einer Schaltstelle des Dritten Reichs für die Ermordung von rund sechs Millionen Menschen mitverantwortlich war, wird schließlich in Argentinien aufgespürt, in Israel verurteilt und hingerichtet. Die Ausforschung von NS-Tätern wird Wiesenthals Lebensprojekt. Mit seinem Motto "Recht, nicht Rache" polarisiert er damals in einem Land, dass einen Schlussstrich unter das dunkelste Kapitel seiner Geschichte ziehen will. Mariella Gittler spricht mit der Historikerin des DÖW, Claudia Kuretsidis-Haider.

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    16 m
  • Der Schwund des Willens – Die Ahndung von NS-Verbrechen
    Nov 21 2025

    Moderatorin Mariella Gittler spricht mit Historikerin Claudia Kuretsidis-Haider darüber, warum Österreich schon ab den späten 1940er-Jahren den Willen zur Ahndung von NS-Verbrechen zunehmend verlor. Der Kalte Krieg, politische Amnestien und die schnelle Reintegration ehemaliger Nationalsozialisten bremsten die Justiz – bis die Volksgerichte 1955 endgültig abgeschafft wurden und nur noch wenige Verfahren folgten. Der Fall Franz Murer verdeutlicht exemplarisch, wie sehr politische und gesellschaftliche Strömungen die juristische Aufarbeitung untergruben.

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    20 m
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