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Der Interviewpodcast der Klinik für Anästhesiologie am Universitätsklinikum Heidelberg

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  • Journal Club Folge 59 (KW 12): Perioperatives Management der Herzinsuffizienz im Kontext der SGLT2-Inhibitor-Therapie
    Mar 17 2026

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    Herzinsuffizienz zählt zu den wichtigsten Risikofaktoren für perioperative Morbidität und Mortalität. Gleichzeitig gewinnen SGLT2-Inhibitoren als leitliniengerechte Therapie bei Herzinsuffizienz zunehmend an Bedeutung – mit neuen Herausforderungen für die perioperative Medizin. In dieser Episode besprechen wir, worauf es bei präoperativer Risikostratifizierung, intraoperativem Management und dem Umgang mit der potenziell euglykämen SGLT2i-assoziierten Ketoazidose ankommt.

    Roth S, Wagner NM. Perioperatives Management der Herzinsuffizienz im Kontext der SGLT2-Inhibitor-Therapie. Anästh Intensivmed. 2026;67:4–15. DOI: 10.19224/ai2026.004

    Die chronische Herzinsuffizienz ist eine häufige und prognostisch hochrelevante Komorbidität bei Patient:innen, die sich nichtkardiochirurgischen Eingriffen unterziehen. Sie ist mit einer deutlich erhöhten perioperativen Morbidität und Mortalität assoziiert. Der Übersichtsartikel von Roth und Wagner stellt die aktuelle Evidenz zur präoperativen Evaluation, zur perioperativen Fortführung leitliniengerechter Herzinsuffizienztherapie und zu den Besonderheiten des perioperativen Managements unter SGLT2-Inhibitoren systematisch dar.

    Ein zentraler Fokus liegt auf der modernen leitliniengerechten Pharmakotherapie der Herzinsuffizienz. Diese soll perioperativ grundsätzlich fortgeführt werden, sofern keine Kontraindikationen bestehen. Im Kontext von HFrEF, HFmrEF und HFpEF nehmen SGLT2-Inhibitoren inzwischen eine wichtige Rolle ein. Gleichzeitig stellen sie im perioperativen Umfeld eine besondere Herausforderung dar, da sie mit einer SGLT2i-assoziierten, potenziell normoglykämen Ketoazidose assoziiert sein können. Der Artikel erläutert, dass diese Komplikation durch perioperative Nüchternheit, chirurgischen Stress, Inflammation und Volumenmangel begünstigt werden kann und diagnostisch besonders relevant ist, weil Ketone in der üblichen Blutgasanalyse nicht automatisch erfasst werden.

    Für die Diagnostik empfehlen die Autor:innen bei unklarer metabolischer Azidose unter SGLT2i-Therapie ausdrücklich die Bestimmung von Ketonen, idealerweise von Beta-Hydroxybutyrat im Blut. Die Urindiagnostik kann falsch-niedrige oder negative Ergebnisse liefern, da dort vor allem Acetoacetat nachgewiesen wird. Therapeutisch steht bei Verdacht auf SGLT2i-assoziierte Ketoazidose die kombinierte Gabe von Glukose und Insulin mit engmaschiger Überwachung des Säure-Basen-Haushalts und der Elektrolyte im Vordergrund.

    Hinsichtlich des präoperativen Umgangs mit SGLT2-Inhibitoren beschreibt der Artikel eine weiterhin unklare Evidenzlage. Mehrere Fachgesellschaften empfehlen ein präoperatives Pausieren, meist etwa 72 Stunden vor elektiven Eingriffen, zugleich weisen neuere Daten darauf hin, dass ein pauschales Absetzen insbesondere bei Hochrisikopatient:innen mit Herzinsuffizienz auch Nachteile haben könnte. Daraus leiten die Autor:innen ein differenziertes, individualisiertes Vorgehen ab, das Nutzen und Risiko sorgfältig gegeneinander abwägt. Im intraoperativen Management wird ein organprotektives, engmaschig hämodynamisch gesteuertes Vorgehen betont, einschließlich früh etablierter invasiver Blutdruckmessung bei Herzinsuffizienzpatient:innen.

    nsgesamt unterstreicht der Beitrag, dass Patient:innen mit Herzinsuffizienz ein individualisiertes perioperatives Management benötigen und dass der optimale perioperative Umgang mit SGLT2-Inhibitoren derzeit noch nicht abschließend geklärt ist. Die SGLT2i-assoziierte Ketoazidose stellt dabei eine diagnostische und therapeutische Schlüsselherausforderung für die perioperative Medizin dar.

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  • Journal Club Folge 58 (KW 10): Simulation in der Anästhesie 2026: Evidenz, Teamperformance und Patientensicherheit
    Mar 3 2026

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    Im Rahmen der Simulationswoche der Anästhesiologie 2026 sprechen wir über den Stellenwert von Simulationstraining in der Aus- und Weiterbildung. Wie belastbar ist die Evidenz? Welche Kompetenzen werden tatsächlich verbessert? Und warum ist der direkte Nachweis eines Effekts auf Patientenergebnisse methodisch so schwierig?

    Simulationstraining ist in der Anästhesiologie evidenzbasiert eine effektive Methode zur Verbesserung von theoretischem Wissen, praktischen Fertigkeiten und nicht-technischen Kompetenzen wie Teamarbeit, Kommunikation und Problemlösung. Mehrere Meta-Analysen und systematische Reviews zeigen, dass simulationsbasierte Trainingsformate im Vergleich zu nicht-simulationsbasierten Ansätzen signifikant bessere Ergebnisse in Wissenstests, technischen Skills und der Entwicklung nicht-technischer Kompetenzen erzielen [1,2].

    Insbesondere die Förderung von Teamleistung und interdisziplinärer Kommunikation wird als zentraler Mehrwert hervorgehoben, da gerade in hochdynamischen und sicherheitskritischen Situationen – wie perioperativen Krisen – die Koordination im Team entscheidend ist [3,4]. Simulation ermöglicht das strukturierte Training von Crisis Resource Management (CRM), Entscheidungsfindung unter Stress sowie standardisierter Kommunikation.

    Moderne Simulationstechnologien, einschließlich Virtual-Reality-basierter Anwendungen, erweitern das Spektrum der Trainingsmöglichkeiten. Sie erlauben risikofreies Üben komplexer Szenarien und technischer Prozeduren, insbesondere in Hochrisikobereichen wie der geburtshilflichen Anästhesie [4,5]. Simulation wird daher zunehmend als integraler Bestandteil der anästhesiologischen Aus- und Weiterbildung angesehen und von Expert:innen als verpflichtender Bestandteil strukturierter Curricula gefordert [3,9].

    Die Evidenz für eine direkte Verbesserung klinischer Patientenergebnisse durch Simulationstraining ist hingegen bislang limitiert. Zwar existieren Hinweise auf positive Effekte in spezifischen Kontexten, robuste und kausal belastbare Outcome-Daten sind jedoch selten [2,6–8]. Die meisten Studien belegen Verbesserungen auf Ebene von Wissen, technischen Fertigkeiten und Teamperformance, während der Transfer in harte klinische Endpunkte weiterhin Gegenstand aktueller Forschung ist.

    Zusammenfassend ist Simulationstraining in der Anästhesie klar evidenzbasiert wirksam hinsichtlich Kompetenzentwicklung – insbesondere technischer und nicht-technischer Fähigkeiten – während der direkte Nachweis eines Effekts auf Patientenergebnisse methodisch anspruchsvoll bleibt. Unabhängig davon wird Simulation als zentrales Instrument moderner Patientensicherheit und kontinuierlicher professioneller Entwicklung betrachtet.

    Weiterführende Literatur

    1. Su Y, Zeng Y. Simulation Based Training Versus Non-Simulation Based Training in Anesthesiology: A Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Heliyon. 2023;9(8):e18249. doi:10.1016/j.heliyon.2023.e18249.
    2. Lorello GR, Cook DA, Johnson RL, Brydges R. Simulation-Based Training in Anaesthesiology: A Systematic Review and Meta-Analysis. British Journal of Anaesthesia. 2014;112(2):231–245. doi:10.1093/bja/aet414.
    3. Krage R, Erwteman M. State-of-the-Art Usage of Simulation in Anesthesia: Skills and Teamwork. Current Opinion in Anaesthesiology. 2015;28(6):727–734. doi:10.1097/ACO.0000000000000257.
    4. Abrams J, Mahoney B. The Importance of Simulation-Based Multi Professional Training in Obstetric Anesthesia: An Update. Current Opinion in Anaesthesiology. 2024;37(3):239–244. doi:10.1097/ACO.0000000000001352.
    5. Wang W, Gao L, Lin Y, Gao P. Virtual Reality Is Emerging Training Applications for Anesthesia Simulation.European Journal of Medical Research. 2025;30(1):768. doi:10.1186/s40001-025-03054-9.
    6. Marynen F, Van Gerven E, Van
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  • Journal Club Folge 57 (KW 8): Prehospital transesophageal echocardiography versus conventional advanced life support in out-of-hospital cardiac arrest (PHTEE–OHCA): a randomized controlled pilot study.
    Feb 17 2026

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    Kann eine transösophageale Echokardiographie (TEE) bereits präklinisch während laufender Reanimation eingesetzt werden, ohne die CPR-Qualität zu beeinträchtigen? In dieser Episode analysieren wir die erste randomisierte kontrollierte Pilotstudie zur prähospitalen TEE bei außerklinischem Herz-Kreislauf-Stillstand (OHCA) und diskutieren Effekte auf Chest Compression Fraction, EtCO₂ sowie diagnostische und prozedurale Konsequenzen.

    Katzenschlager S, Kaltschmidt N, Dietrich M, et al.
    Prehospital transesophageal echocardiography versus conventional advanced life support in out-of-hospital cardiac arrest (PHTEE–OHCA): a randomized controlled pilot study.
    Critical Care. 2026;30:45.
    DOI: 10.1186/s13054-025-05805-w

    Die Qualität der Thoraxkompressionen ist ein zentraler Determinant des Outcomes beim außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstand (OHCA). Während transthorakale Echokardiographie (TTE) in Leitlinien empfohlen wird, kann sie zu prolongierten Hands-off-Phasen führen. Die transösophageale Echokardiographie (TEE) erlaubt dagegen Bildgebung unter laufender Kompression und könnte sowohl die Reanimationsqualität als auch die Identifikation reversibler Ursachen verbessern.

    In dieser randomisierten, kontrollierten Pilotstudie wurden 32 erwachsene Patient:innen mit nicht-traumatischem OHCA in einem arztbesetzten zweistufigen Rettungsdienstsystem 1:1 zu Standard-ALS oder ALS plus TEE randomisiert. Primäre Endpunkte waren Hands-off-Zeit und Chest Compression Fraction (CCF). Sekundäre Endpunkte umfassten ROSC bei Krankenhausaufnahme, Überleben bis Entlassung, neurologisches Outcome (CPC 1–2), EtCO₂-Verlauf sowie TEE-basierte diagnostische Befunde.

    Die mediane Hands-off-Zeit betrug in beiden Gruppen 4 Sekunden; es zeigte sich kein signifikanter Unterschied. Die CCF war jedoch signifikant höher in der TEE-Gruppe (96,2 % vs. 91,6 %; mittlere Differenz 4,6 %, 95 %-KI 2,5–6,7; p < 0,001). EtCO₂-Werte lagen ebenfalls signifikant höher in der TEE-Gruppe (+7 mmHg; 95 %-KI 4–10; p < 0,001), was auf effektivere Perfusion hinweisen könnte.

    In der as-treated-Analyse wurden bei 23 % der Fälle eine initial falsche Area of Maximal Compression (AMC) sowie bei 14 % eine inadäquate Kompressionstiefe identifiziert und unter TEE-Guidance korrigiert. Perikardergüsse wurden in 23 % diagnostiziert, davon 60 % hämodynamisch relevant (Tamponade). In allen eCPR-Fällen war eine Visualisierung von Führungsdrähten und Kanülenlage möglich. TEE-bedingte Komplikationen wurden nicht beobachtet.

    Die Studie zeigt, dass prähospitale TEE technisch machbar ist und CPR-Metriken nicht beeinträchtigt. Darüber hinaus liefert sie relevante diagnostische Informationen und ermöglicht prozedurale Guidance. Aufgrund der geringen Fallzahl ist jedoch keine Aussage zu Überlebensvorteilen möglich.

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