Folge 149: Hier kann man übers Wasser gehen Podcast Por  arte de portada

Folge 149: Hier kann man übers Wasser gehen

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Diesmal sind wir ausnahmsweise in einem Hotel - einem Hotel mit Schwimmbadgeschichte. Unsere Gesprächspartnerin ist Verena Jaeschke, Leiterin des Hotels Oderberger im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg und als promovierte Kulturhistorikerin bestens vertraut mit der wechselvollen Vergangenheit dieses Ortes. Denn das einstige Stadtbad an der Oderberger Straße wurde bereits 1902 eröffnet, als Volksbadeanstalt mit Seifräumen und über 100 Wannen- und Brausebädern. Mittendrin ein knapp 209 Quadratmeter großes Schwimmbassin, außerdem Wohnungen für den Maschinenmeister der Badeanstalt und den Rektor der angrenzenden Schule.Viele Menschen hatten damals kein eigenes Badezimmer, geschweige denn Wanne oder Dusche, und so wurde die Badeanstalt über Jahrzehnte rege genutzt. Viele Berliner:innen haben hier schwimmen gelernt, auch die beiden Weltkriege konnten dem Gebäude wenig anhaben - bis das Schwimmbecken 1986 wegen baulicher Mängel geschlossen werden musste. Die Brause- und Wannenbäder wurden nach der Wende noch bis in die 1990-er Jahre genutzt, aber dann war auch damit Schluss.Was folgte, war ein jahrelanger Dornröschenschlaf. Des Gebäudes, nicht aber der vielen Menschen, die das Bad unbedingt erhalten wollten. Bereits 1990 gründete sich eine Anwohnerinitiative und legte eigene Nutzungskonzepte vor, trotzdem fiel das Bad 1994 aus der Investitionsplanung des Landes Berlin. Anderes war nach der Wende wichtiger. 1996 übernahmen die Berliner Bäderbetriebe, in Sachen Schwimmen tat sich trotzdem nichts. Trotzdem wurde das einstige Bad zu einem überaus belebten und beliebten Ort für die Off-Kulturszene, Tanz, Theater und Ausstellungen lockten ein breites Publikum an. Im Jahr 2000 wurde aus der Anwohnerinitiative dann eine Genossenschaft, die das alte Stadtbad zu seinem 100. Geburtstag kaufte - die hohen Sanierungskosten dann aber doch nicht aufbringen konnte. Erneut wechselte das Gebäude den Besitzer, 2007 übernahm die Stiftung Denkmalschutz für 100.000 Euro mit dem Ziel, das Gebäude erneut zu verkaufen. Bedingung: Die Schwimmhalle muss saniert und öffentlich zugänglich gemacht werden.Eine echte Herausforderung, erzählt Verena Jaeschke - also genau das, was ihre Familie liebt: Ihre Mutter Barbara, Leiterin der angrenzenden GLS Sprachenschule, dachte sich: Warum nicht? Und tatsächlich, sie bekam den Zuschlag. Nach umfangreicher Sanierung wurde die ehemalige Volksbadeanstalt im September 2016 als Hotel wieder eröffnet, das Schwimmbad an 5 Tagen die Woche für die Öffentlichkeit wieder zugänglich und zwar zu Preisen, die nur wenig höher sind als in den öffentlichen Bädern.Möglich ist dies, weil das Hotel an den anderen Tagen in der herrlichen Schwimmhalle mit Kreuzgratgewölbe, Arkaden und umlaufender Galerie eigene Veranstaltungen macht. Denn der Architekt stattete das Schwimmbad mit einem Hubboden aus, der nach oben fahren kann und das Wasser nach unten verdrängt: Durch die Luken im Beckenboden, die sich zu diesem Zweck öffnen lassen. So kann man dann im wahrsten Sinne des Wortes übers Wasser gehen. Überhaupt ist die Schwimmhalle und das ganze Hotel wirklich sehr liebevoll saniert und restauriert worden - auch wir kamen aus dem Staunen nicht heraus und sind total begeistert. Schwimmen waren wir dort natürlich auch - es lohnt sich!Und übrigens: Verena Jaeschke sucht nach Zeitzeugen, die einst hier im Stadtbad an der Oderberger Straße schwimmen gelernt haben. Und es noch aus der Zeit vor der Sanierung kennen. Wer darüber erzählen möchte, möge sich gern an sie wenden! Und wer jetzt noch mehr wissen möchte: Jeden ersten Dienstag im Monat gibt es um 17 Uhr eine kostenlose Führung durch das Stadtbad.
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